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Punkt (Geometrie)
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top
Punkt (oder auch Raumpunkt) ist ein Grundbegriff der Geometrie. Anschaulich stellt man sich darunter ein Objekt ohne jede Ausdehnung vor. Beim axiomatischen Zugang zur Geometrie (Synthetische Geometrie) existieren gleichberechtigt neben den Punkten auch andere Klassen von geometrischen Objekten, wie zum Beispiel die Geraden. In der analytischen Geometrie und der Differentialgeometrie werden dagegen alle anderen geometrischen Objekte als Mengen von Punkten definiert. In der Funktionalanalysis kΓΆnnen Funktionen als Punkte eines Funktionenraumes betrachtet werden. In der HΓΆheren Geometrie werden zum Beispiel Ebenen eines dreidimensionalen projektiven Raumes als Punkte des zugehΓΆrigen Dualraums aufgefasst.
Der Punkt zΓ€hlt als spezieller Kreis mit einem Radius von null zu den Kegelschnitten. FrΓΌher wurde ein solcher Punkt auch mathematischer Punkt genannt.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2]
Contents
β’ Zitate
β’ Literatur
β’ Weblinks
β’ Einzelnachweise
ββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββββ
Antike Geometrie bis zur synthetischen Geometrie
Nach Proklos war Pythagoras der Erste, der eine Definition eines Punktes anbot, als Einheit (monas), die eine Position hat. Der griechische Mathematiker Euklid bezeichnet um 300 v. Chr. in seinem Werk Die Elemente in der ersten Definition den Punkt als βetwas, das keine Teile hatβ und verwendet die Bezeichnung semeion (altgriechisch ΟΞ·ΞΌΞ΅αΏΞΏΞ½ eigentlich βZeichenβ, in der Mathematik speziell βPunktβ).cite-ref-3[3] Es handelt sich um eine abstrakte Bezeichnung, die wohl als Antwort auf in der platonischen Schule ausgiebig diskutierten Schwierigkeiten zu verstehen ist, den Zusammenhang zwischen Punkten, die keine Ausdehnung haben und den aus ihnen zusammengesetzt vorgestellten Linien, die eine Ausdehnung haben, zu erfassen; beispielsweise in Aristotelesβ De generatione et corruptione.cite-ref-4[4]
FΓΌr SΓ€tze und ihre Beweise in der synthetischen Geometrie spielt die wahre Natur von Punkten und Linien jedoch keine Rolle, sondern lediglich die durch Axiome festgelegte Beziehung der Objekte untereinander. David Hilbert wird der Ausspruch zugeschrieben, man kΓΆnne statt βPunkte, Geraden und Ebenenβ jederzeit auch βTische, StΓΌhle und Bierseidelβ sagen; es komme nur darauf an, dass die Axiome erfΓΌllt sind.
Ein Punkt ist in diesem Fall ein Begriff, auf den die einzelnen Axiome Bezug nehmen. Ein Beispiel ist das erste Axiom aus Hilberts Axiomensystem:
Zwei voneinander verschiedene Punkte P {\displaystyle P} und Q {\displaystyle Q} bestimmen stets eine Gerade g {\displaystyle g} .
Die Bedeutung des Begriffs Punkt ergibt sich aus der Gesamtheit des Axiomensystems. Eine Interpretation als Objekt ohne Ausdehnung ist nicht zwingend.
In der projektiven Ebene sind die Begriffe Punkt und Gerade sogar vollstΓ€ndig austauschbar. Damit ist es hier mΓΆglich, sich eine Gerade als unendlich klein und einen Punkt als unendlich lang und unendlich dΓΌnn vorzustellen.
Analytische Geometrie
β
Hauptartikel
:
Analytische Geometrie
In der analytischen Geometrie wird der geometrische Raum als n {\displaystyle n} -dimensionaler Vektorraum ΓΌber einem KΓΆrper K {\displaystyle K} dargestellt. Jedes Element dieses Vektorraums wird als Punkt bezeichnet. Eine Basis legt ein Koordinatensystem fest und die Komponenten eines Vektors bezΓΌglich dieser Basis werden als die Koordinaten des Punktes bezeichnet. Ein Punkt hat dabei die Dimension null.
Alle anderen geometrischen Objekte werden als Mengen von Punkten definiert. So wird etwa eine Gerade als eindimensionaler affiner Unterraum und eine Ebene als zweidimensionaler affiner Unterraum definiert. Eine SphΓ€re wird als die Menge der Punkte definiert, welche zum Mittelpunkt einen bestimmten Abstand haben.
Differentialgeometrie
In der Differentialgeometrie werden die Elemente einer Mannigfaltigkeit als Punkte bezeichnet. Dies sind in diesem Fall keine Vektoren, ein Punkt kann aber mit Hilfe einer lokalen Karte mit Koordinaten versehen werden.
Zitate
Von Oskar Perron stammt die folgende Bemerkung:cite-ref-5[5]
βEin Punkt ist genau das, was der intelligente, aber harmlose, unverbildete Leser sich darunter vorstellt.β
Literatur
β’ Manon Baukhage: Der Punkt. Zugegeben, er macht nicht viel her β so klein wie er sich gibt. TatsΓ€chlich aber gehΓΆrt er zu den groΓen RΓ€tseln der Welt; in: "P.M. β Peter Moosleitners Magazin Nr. 2/2005 (MΓΌnchen: Februar 2005); S. 58β65.
Weblinks
β’ Definition des Punktes nach Euklid (Leipzig 1549)
β’ Eric W. Weisstein: Point. In: MathWorld (englisch).
Einzelnachweise
cite-note-11. β Mathias Hartmann: Grundlehren der Geometrie [1] Seite 1
cite-note-22. β Karl Immel: Die Elemente der Raumlehre in Verbindung mit dem geometrischen Zeichnen. Lindauer, 1873 (google.de [abgerufen am 11. MΓ€rz 2022]).
cite-note-33. β Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und HandwΓΆrterbuch. G. Freytag Verlag/HΓΆlder-Pichler-Tempsky, MΓΌnchen/Wien 1965.
cite-note-44. β Leslie Kavanaugh: The architectonic of philosophy: Plato, Aristotle, Leibniz. Amsterdam University Press. 2007.
cite-note-55. β Oskar Perron: Nichteuklidische Elementargeometrie der Ebene, Stuttgart 1962